FC Gossau
Der ruhende Pol Drucken E-Mail

Roland Gnägi erlebte als Präsident des FC Gossau strube Zeiten
In aller Ruhe gab er Auskunft, wiederholte seine Aussagen überall und geriet äusserlich nie aus der Fassung. Roland Gnägi hat als Präsident des FC Gossau Grosses geleistet.

Ruhe und Besonnenheit zeichneten Roland Gnägi in der Krise aus
Bild: MAB

Für den Präsidenten eines Vereins kann man sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen, als von einer Minute auf die andere in einen internationalen Skandal verwickelt zu sein. Schlagartig verändert sich das ganze Leben, alles fokussiert sich nur noch auf einen einzigen Bereich. Roland Gnägi hat dies als Präsident des FC Gossau am Samstagmorgen, 21. November, hautnah erleben müssen. Wie er diese Zeit gemeistert hat, ist beeindruckend. Ruhe und Besonnenheit strahlte er aus. Spürbar wurden zudem die 35 Jahre Erfahrung im Fussball, die Roland Gnägi hinter sich hat.

Notlage gesehen

Doch woher nimmt ein Mensch all die Kraft, die in so einem Moment notwendig ist? «Ich habe das Glück, dass ich von Natur aus nicht allzu schnell ins Schleudern gerate», sagt der Präsident. Komme dazu, dass er in der Lage sei, sich schnell zu sammeln, eine Situation zu akzeptieren und sofort nach Lösungen zu suchen. «Die Situation mit dem Wettskandal war wohl psychisch und physisch sehr belastend. Doch ich habe die schlimmste Krise recht gut überstanden. Geholfen habe ihm auch die Überzeugung, dass es einen ruhenden Pol brauche, der den Überblick bewahre und so neutral als möglich handeln könne. «Ich hoffe, dass mir dies gelungen ist.» Noch ein Punkt ist ihm besonders wichtig, wenn es um seine Präsenz für den FC geht. «Meine Frau hat die Notlage gesehen, half mir ganz entscheidend und hat mich richtiggehend durch die Krise getragen.» Möglich war der Einsatz auch deshalb, weil Roland Gnägi beruflich selbständig entscheiden und sich die Zeit nehmen konnte.

Nach vorne schauen

Ist Roland Gnägi also ein Übermensch, der alles, was auf ihn zukommt regungslos akzeptiert? «Sicher nicht», sagt er. «Auch ich war ab und zu aufgewühlt und verärgert und bin es in gewissen Punkten auch heute noch. Dies nach aussen zu tragen, nützt aber niemandem etwas.» Zudem habe er keine Zeit gehabt, sich um anderes als das Notwendigste zu kümmern. Die Ereignisse hätten sich derart überschlagen, dass es nichts anderes gegeben habe, als sich durchzukämpfen und nach vorne zu schauen. «Entscheiden und handeln standen im Vordergrund.» Froh ist Roland Gnägi, dass die Spieler der ersten Mannschaft einen Ehrenkodex   unterschrieben haben. «Die Initiative kam von den Spielern, was besonders erfreulich ist», erklärt er. «So können sie einander wieder vertrauen und zumindest in diesem Bereich befreit spielen.» Auch über die Informationen des Schweizer Verbandes freut er sich. Jetzt seien alle Fakten auf dem Tisch und man könne mit der Aufarbeitung beginnen. «Die Bundesanwaltschaft wird aber wohl dieses Jahr noch keine Resultate liefern können.»

Zukunft planen

Es ist also zu hoffen, dass für den FC Gossau langsam, aber sicher, wieder Normalität einsetzt. Nach dem letzten Spiel vor der Winterpause vom vergangenen Wochenende steht am 11. Dezember die Weihnachtsfeier der Mannschaft auf dem Programm. Bereits am 7. Januar beginnt der Trainingsbetrieb wieder. Die Meisterschaft startet am 13. Februar. «Wir werden zudem in Sitzungen unsere Zukunft an die Hand nehmen», erklärt Gnägi. «Es geht um Lizenz Ja oder Nein. Wir müssen uns darüber klar werden, wie und wo wir den FC Gossau positionieren wollen. Nicht zuletzt müssen und wollen wir uns wieder vermehrt um den restlichen Verein kümmern.»
Martin Brunner

GOZ vom 9. Dezember 2009

 
< zurück   weiter >
© 2010 FC Gossau
Ihre IP lautet: 38.107.191.107
Ihre Hostadresse lautet: 38.107.191.107